Comic-Zeichner Patrick Fillion über Schönheit und Sex

Die Helden des kanadischen Comiczeichners Patrick Fillion haben etwas, was kein Pornostar bieten kann. Sie haben Genitalien, die teilweise größer sind als ihre Arme. Manche haben aber auch Katzenohren und Tigerschwänze, und alle eint sie eine gigantische sexuelle Ausdauer. Mit anderen Worten: Die Kunst der Übertreibung ist auch in seinem neuen Buch "IlLUSTrations" sprichwörtlich und das Unmögliche Programm. Aber Patrick will seine Arbeit auch als Plädoyer für die Schönheit des Mannes verstanden wissen. Im Interview erzählte er uns mehr darüber.

Patrick, was hat deine neuen Cartoons inspiriert?

Meine größte Inspiration sind die Charaktere selbst. Ich liebe es, sie und ihre Heldentaten zu zeichnen. Mit jedem neuen Comic und jeder Illustration kann ich ihnen mehr Leben einhauchen, kann sie mit meinen Lesern teilen. Das ist wirklich wichtig für mich.

Außerdem finde ich es großartig, die sexuellen Grenzen zu verschieben. Die Bilder müssen nicht immer offenkundig erotisch sein, aber ich lasse immer so viel Sinnlichkeit wie möglich in meine Arbeit einfließen. Sinnlichkeit und Männlichkeit, das kann wirklich Hand in Hand gehen, und zwar auf wirklich schöne Weise. Davon bin ich auch inspiriert und ich nutze jede Chance, das in meinen Zeichnungen umzusetzen.


Und was ist die Botschaft deiner Bilder?

Mein Ziel, wenn ich Comics oder Pin-Up-Kunst male, ist immer, die Leute positiv zu unterhalten. Ich gebe meinen Lesern und Fans gerne Bilder und Geschichten, die sie sich gut fühlen lassen. Und wenn sie mit meinen Comics in eine bessere Welt flüchten wollen … um so besser!

Wir leben in einer verrückten, gefährlichen Welt. Beim Sex muss man wirklich aufpassen und safe spielen, um sein eigenes Leben und das seiner Partner nicht zu gefährden. Das echte Leben kann einen manchmal ziemlich runterziehen. In meinen Comics zeige ich deshalb Sex, bei dem sich niemand Sorgen um die Folgen machen muss. Ich denke, dass es toll ist für die Leser, dass sie eine Fantasie genießen können, in der einfach passiert, ohne dass man Entscheidungen treffen muss, bei denen es um Leben und Tod gehen kann. Aber wenn ich das hier sage, möchte ich gleichzeitig betonen, dass ich für Safer Sex eintrete. Meine Kunst ist nur ein Fantasieprodukt; im wirklichen Leben müssen wir alle auf uns aufpassen.

Was sind deine Einflüsse?

Ich habe schon immer Comics gelesen. Meine Familie ist von Quebec nach British Columbia gezogen, als ich fünf Jahre alt war. In Quebec sprachen alle Französisch, aber nun war Englisch die gängige Sprache, die ich durch die Comics lernte, die ich las. Comics waren also schon immer mein größter Einfluss. Das Medium fasziniert mich einfach. Die Art, wie man mit einigen kleinen Illustrationen eine Geschichte erzählen kann, das finde ich wunderbar und unglaublich aufregend. Aber ebenso gut kann man eine ganze Geschichte mit einem einzelnen Pin-Up - das finde ich wundervoll.

Und dann ist da natürlich meine Liebe für den männlichen Körper. Männer sind schön. Meiner Meinung nach ist der männliche Körper eine der schönsten Sachen in der Natur. Diese Schönheit halte ich sogar für wichtiger als die physischen Aspekte der Sexualität. Natürlich mag ich Erotik, aber in erster Linie ist es die kunstvolle Schönheit des männlichen Körpers, die mich antreibt. Ich liebe es, dass in jeder mir möglichen Weise einzufangen. Ich übertreibe dabei bewusst. Die Gesellschaft hat immer noch solche Furcht vor männlicher Sexualität und Sinnlichkeit. Männliche Nacktheit ist für viele immer noch ein Tabu. Ich möchte meine Arbeit allen zeigen; es ist Zeit, mit dieser angestaubten Attitüde Schluss zu machen.

Und was bedeutet der Titel "IlLUSTrations" für dich?

Mit "IlLUSTrations"wollte ich den lustvollen Aspekt meiner Arbeit betonen. Es dreht sich alles um die erotische Seite männlicher Körper; aber es ist auch ein Statement dafür, dass es in Ordnung ist, das zu begehren. Die Leute schämen sich so oft für ihre Begierden, für ihre Lust ... dabei ist das dass Natürlichste der Welt. Dieses Wollen und Brauchen, das ist eine sehr gesunde Sache. Ob man das nun dadurch ausdrückt, dass man seine Lüste in Bilder umsetzt, oder dadurch, dass man sich solche Bilder anschaut, oder andere aufregende Art - es ist alles ein Teil von dem, was wir sind. Dieses Buch handelt davon, unsere Lüste zu umarmen, sie als Teil von uns zu akzeptieren, denn sie waren immer da und werden immer da sein. Ich brauchte lange, um mich mit mir und meiner Kunst wirklich wohl zu fühlen. Jetzt, da ich dazu stehe, will ich es mit anderen teilen. Wer weiß, vielleicht kann ich damit anderen helfen, mit sich selbst und ihren Begierden ins Reine zu kommen.

veröffentlicht in Allgemein, Interviews, Comic am 20.07.2010

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