Howard Roffman und die sexy Jungs von Bel Ami

Mit "Private Moments" legt der weltweit erfolgreiche Fotograf Howard Roffman seinen 15. Bildband vor. Einmal mehr sind die sexy Jungs des slowakischen Pornolabels Bel Ami, die ihn inspirieren. Der Meister der einfühlsamen Schwarzweiß-Fotografie überrascht dabei erstmals mit berauschenden Bildern in sommerlichen Farben. Im Interview sprach Howard mit uns über seine Arbeit und die Bel Ami Models.
Howard, in der Öffentlichkeit wurdest du vor fast 20 Jahren zum ersten Mal als Fotograf wahrgenommen und man kann sagen, dass du inzwischen ziemlich berühmt bist. Wie hat denn das Fotografieren - das du ja immer noch als ein Hobby bezeichnest - dein Leben verändert?
HR: Mein Leben hat sich dadurch in zwei Punkten grundlegend geändert. Zum einen habe ich durch die Fotografie einen Weg gefunden, mit einem breiten Publikum zu kommunizieren. Quasi seit ich erwachsen bin wollte ich die Schönheit schwuler Sexualität fassbar machen. Meine Bücher erlauben mir, das in einer sehr persönlichen Weise zu tun. Außerdem hat die Fotografie es möglich gemacht, dass ich so viele großartige Menschen kennenlernte, die ich sonst nie getroffen hätte. Mein Freundeskreis hat sich dadurch enorm erweitert und ich habe viele neue Blickwinkel aufs Leben entdeckt, besonders durch Menschen, die viel jünger sind als ich.
Dein Markenzeichen war ja immer die sehr einfühlsame schwarzweiß Fotografie. Jetzt hast du dich für "Private Moments" dazu entschieden, in Farbe zu arbeiten. Wie kam es dazu?
HR: Das passierte, als ich auf vor ein paar Jahren angefangen habe, digital zu fotografieren. Es war mein fester Vorsatz, trotz der digitalen Arbeitsweise weiterhin Schwarzweiß-Bilder zu machen. Aber die Bilder entstehen eben zunächst in Farbe und müssen erst umgewandelt werden. Als ich dann die Fotos in Farbe sah, erkannte ich, dass es für meine Arbeit ganz neue Dimensionen eröffnet und ich war vollkommen begeistert. Nach so vielen Jahren analoger Schwarzweiß-Fotografie war das eine absolut aufregende Entdeckung für mich. Man kann sagen, dass dadurch meine kreative Batterie neu aufgeladen wurde.

Hattest du den Eindruck, dass du mit den Farbbildern etwas zum Ausdruck bringen könntest, das du mit Schwarzweiß nicht hättest ausdrücken können? Und wenn ja: Was war das?
HR: Für mich ist Farbe einfach erstmal reichhaltiger und moderner. Es gibt den Bildern eine zusätzliche Ebene der Emotionalität. Aber diese Dinge sind meiner Ansicht nach zweitrangig. Ich möchte vor allem, dass der Betrachter eine Verbindung zu den Models eingehen kann, um ein intimes und persönliches Erlebnis mit ihnen zu haben, wenn er sich meine Bücher ansieht. Was das anbelangt, ist meine Rangehensweise immer dieselbe, ob nun in Schwarzweiß oder in Farbe.
"Private Moments" war deine zweite Zusammenarbeit mit dem slowakischen Pornolabel Bel Ami. Die Jungs sind Profis, wenn es um Sex geht. Trotzdem ist jedes der Bilder in "Private Moments" ein klassischer Roffman: Intim, zärtlich und oft verspielt. Kannst Du den Unterschied zwischen der Arbeit mit Pornodarstellern und "Zivilisten" beschreiben?
HR: Bis zu meiner ersten Zusammenarbeit mit Bel Ami war keiner der Jungs, die ich fotografiert habe, ein professionelles Model. Ich mag Berufsmodels üblicherweise nicht, weil sie ein künstliches Gesicht aufsetzen; sie sind nicht da, um zu zeigen, wer sie wirklich sind. Was ich an den Jungs von Bel Ami am meisten liebe, ist, dass sie authentisch sind. Es sind keine Fashion-Models und es sind keine abgehärteten, zynischen Pornostars. Es sind ganz gewöhnliche Jungs, die mit sich und ihrer Sexualität sehr im Reinen sind. Sie verstellen sich nicht, wenn sie vor einer Kamera stehen. Eine einzigartige Kombination von Eigenschaften, einfach perfekt für meine Arbeit.
Du arbeitest als Geschäftsführer für eine weltbekannte Filmproduktionsfirma. Ein ziemlich zeitaufwendiger Job. Nebenher konzipierst du deine Fotobücher, machst die Aufnahmen und hast weltweit Ausstellungen laufen. Woher nimmst du die Zeit, neue Inspiration zu finden und sie umzusetzen?
HR: Ich bin kein Mensch, dem es gut geht, wenn er sich auf die faule Haut legt. Für meine Leidenschaften habe ich jede Menge Energie und vermutlich ist es einfach gut, dass mein Beruf und meine Hobby echte Leidenschaften für mich sind. Unter der Woche lebe ich eigentlich nur für den Job. In den vergangenen Jahren habe ich mir ab und an mal ein paar Wochen freigeschaufelt, um die Bel Ami Jungs in Osteuropa oder Afrika zu fotografieren. Sie waren aber auch schon bei mir in den Staaten. Die Abende und meine Wochenenden stecke ich ins Editieren und Erstellen meiner Bücher. Das alles ist definitiv manchmal stressig, aber irgendwie scheint es ja immer zu funktionieren.

Deine Fotografien vermitteln den Eindruck einer engen Beziehung zwischen dir und deinen Models. Nun sind die Bel Ami Jungs ja Profis, aber ganz generell: Wie bringst du deine Models dazu, zu vergessen, dass da der Typ mit der Kamera ist?
HR: Ich denke, dass die einzige, allerwichtigste Sache, die beim Fotografieren von Menschen eine Rolle spielt, Vertrauen ist. Ganz besonders in intimen Situationen. Die Models müssen verstehen, dass du da bist, um schöne Kunst mit ihnen zu schaffen - und dass du nichts sonst auf dem Plan hast. Wenn diese Grundvoraussetzung nicht erfüllt ist, werden sie sich nicht wohl fühlen oder öffnen können. Ich denke, dass ich das meinen Models von Anfang an immer vermitteln konnte, weil es ganz einfach die Wahrheit ist.
Letzte Frage: Nächstes Projekt? Schwarzweiß oder Farbe? Und wer inspiriert dich derzeit?
HR: Ich habe noch einen ganzen Schwung Bel Ami Material, alles in Farbe, das noch nicht veröffentlich wurden. Es stellt die nächste Phase meiner Schwarzweiß-Arbeit dar und bringt das Ganze wirklich noch mal auf ein neues Level. Also würde ich sehr gerne ein weiteres Bel Ami Buch machen.
Das neue Verlagsprogramm für 2012 bietet jede Menge aufregendes zu entdecken!
Der Bruno Gmünder Verlag stellt das "Diversity Barometer" vor. Ein Ranking der 30 DAX-Unternehmen.
"Ich habe versucht, Fleisch und Blut zu fotografieren ..."
"Ich war immer schon ein Klugscheißerle, das gerne anderer Leute Fehler kommentiert." Ein Interview mit dem Autor Peter Peschke über Dating-Portale und philosophische Abgründe.
GAY PORN HEROES! Eine Verneigung vor all den erstaunlichen Kerlen, die in den vergangenen vier Dekaden unsere erotischen Fantasien befeuert haben.
Weltpremiere: Die besten schwulen Bücher der Literaturgeschichte zum ersten Mal in einer Reihe vereint. Stephan Niederwieser hat sie ausgewählt und erzählt, warum
Kommentar hinterlassen