Household Idols: Interview mit Fotograf Mark Henderson
Was gehört zur perfekt eingerichteten Wohnung? Teure Teppiche, riesige Betten, weiche Kissen - und natürlich ein Mann, der sich darin räkelt! Fotograf Mark Henderson hat nicht nur ein Händchen für geschmackvolle Inneneinrichtung, sondern auch für gut gebaute Typen, die er für sein Buch HOUSEHOLD IDOLS in Küche, Wohn- oder Schlafzimmer abgelichtet hat. Im exklusiven Interview erzählt der ausgebildete Kunsthistoriker, wie seine superrealistischen Fotos entstehen und was sein persönliches Lieblingsbild ist.
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Muskeln, Körperbehaarung ... Welche Eigenschaften muss ein Model noch haben, um von dir fotografiert zu werden?
Ganz ehrlich: Ich suche mir meine Models nicht nach Muskeldicke oder Behaarung aus (beides schadet allerdings auch nicht). Ich suche nach Männern mit gut definierten Körpern und guten Proportionen, die im natürlichen Licht einfach spektakulär aussehen. Fotos von sensationellen Sixpacks sind meine Spezialität! Außerdem suche ich Models, die in der Lage sind, mit Posen und Gesichtsausdrücken die verträumte Stimmung zu vermitteln, die ich mir vorstelle.
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Viele deiner Fotos sind Innenaufnahmen. Die Männer sind umgeben von schweren Vorhängen, sie räkeln sich auf Luxusbetten Welche Rolle spielt die passende Inneneinrichtung in deinen Bildern? Bauhaus passte ja irgendwie nicht?
Das Setting ist mir sehr wichtig! Ich will, dass die Models ungezwungen und relaxed rüberkommen, so als ob der Betrachter sie in einem privaten Moment der Besinnung und romantischer Anspannung überrascht hätte. Um dies zu erreichen, baue ich einladende Kulissen mit Betten, Sofas, Stühlen, aber auch weichen Kissen, kostbaren Stoffen und den stets präsenten (falschen) Pelzen. Für die meisten Fotos nutzte ich mein eigenes, 1918 gebautes Haus in Los Angeles. In HOUSEHOLD IDOLS sieht man also die Einrichtung und die Architektur, in der ich lebe. Aber ich habe bereits begonnen, eine größere Vielfalt an Settings zu suchen, auch mit moderneren Einrichtungen. Also wenn es einen zweiten Band gibt, könnte auch das ein oder andere Bauhaus-Interieur dabei sein.
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In deinem Buch gibt es unter vielen anderen ein besonders atemberaubendes Foto, auf dem man jedes einzelne Härchen auf den Schenkeln eines Models erkennen kann. Es ist, als ob man nur die Hand auszustrecken bräuchte, um Beine und Hintern zu berühren. Wie entstehen diese hyperrealistischen Effekte?
Ich weiß, welches Foto du meinst. Es zeigt einen jungen, blonden Typ; sein Name ist Markus. Er liegt entspannt auf einem flauschigen, blauen Sofa. Jeder der durch mein Buch blättert, sieht, dass ich die Fotos stark bearbeite. Ich werde hier nicht alle meine Geheimnisse preisgeben. Aber ganz allgemein: ich verstärke Kontraste und Farben, um ein Foto dramatischer und direkter zu machen. Ich glaube, dass es eine gewisse Spannung zwischen den übertriebenen, manchmal fast abstrakt wirkenden Einsatz von Farbe und der naturalistischen, fast greifbaren Qualität der unterschiedlichen Oberflächen gibt, inklusive der Haut und der Haare der Models.
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Nicht nur Farbe und Licht, auch die üppige Ausstattung erinnert an barocke Kunst. Denkst du an bestimmte Gemälde oder Künstler, wenn du mit einem Foto-Shooting anfängst?
Da ich mich als Kunsthistoriker auf die europäische Kunst des 17. Jahrhunderts spezialisiert habe, ist es nur logisch, dass ich von den Künstlern dieser Zeit direkt beeinflusst wurde. Mein Studium der barocken Maler und Bildhauer hat mit Sicherheit meine Vorliebe für expressive Farben und starke Kontraste zwischen Hell und Dunkel bestimmt. Seltsamerweise denke ich während meiner Arbeit nie direkt an Vorbilder aus der Kunstgeschichte. Aber die vielen Jahre haben sicher einen Effekt, dessen ich mir nicht bewusst bin. Eins der ersten Dinge, die man als Kunsthistoriker lernt, ist ein Kunstwerk "zu lesen", nach Linien, Farben, Komposition, Struktur, Perspektive, Medium usw. zu untersuchen. Diese Analyse geht jedem Kunsthistoriker in Fleisch und Blut über und es ist diese tief verwurzelte Sensibilität für formale Elemente in der Kunst, die mir ungemein bei meiner eigenen Arbeit hilft.
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Welches Foto in HOUSEHOLD IDOLS magst du besonders?
Immer wenn ich das gefragt werde, mich für ein Bild entscheide und dann die Seite umblättere, sehe ich ein anderes Lieblingsfoto! Ich habe mehrere Favoriten, viele bedeuten mir persönlich auch viel, weil die Models gute Freunde geworden sind. Aber es gibt ein Bild, zu dem ich mich immer wieder hingezogen fühle: Das Model Chris Rockway steht im Flur meiner Wohnung, sein Kopf ist gesenkt, seine Augen geschlossen. Auf der rechten Seite spiegelt sich sein Profil und sein spektakulärer Torso im Glas eines Bildes, das an der Wand hängt. Für mich fasst dieses eine Bild die ruhige, verträumte und doch sexuell aufgeladene Stimmung des gesamten Buchs zusammen.
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2 Kommentare
Henning von Berg sagte am 24.10.2008:
Es freut mich ausserordentlich, das Kollege Mark Henderson als Cover ausgerechnet das Foto ausgesucht hat, auf dem sich der Sixpack-Traummann Chris Rockway gerade in L.A. lasziv in meinem Schlafzimmer herumraekelt. Zukuenftig werde ich hoffentlich von ganz ganz Dingen traeumen, wenn ich naechtens auf meinem Bettchen liege.... Grins.
Bloglust sagte am 27.10.2008:
Mark Henderson bemerkt selbst, dass das Interieur sehr wichtig ist. Für mich entsteht durch die bewusst gewählten, kostbaren Materialien zusammen mit diesen perfekt geformten Körpern eine Utopie. Und dieses utopische Element macht für mich auch einen Reiz dieser Bilder aus. Wenn er nun "eine größere Vielfalt an Settings" womöglich noch in Einrichtungen des schwedischen Möbelhauses für den nächsten Band ankündigt, bin ich mir nicht sicher, ob das Ganze dann noch aufgeht...
Etwas kritisch darf ich dann noch die Auswahl des Coverbildes beurteilen. Henderson entscheidet sich ja selbst bei der Frage nach seinem Lieblingsbild für das fantastisch gespiegelte Foto mit Chris Rockway. Es hat genau diesen verträumt, überraschten Gestus, den ich in allen gewählten Fotos entdecken kann, der vielleicht den eigentlichen Reiz seiner Fotografien ausmacht. Leider ist das Coverbild in diesem Zusammenhang alles andere als romantisch entrückt...
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