Comic-Zeichner Zack im Interview
Zack zeichnet Comics für schwule Männer - seit 35 Jahren. Sein neues Buch "Bike Boy" ist gerade erschienen und bietet vier herrlich versaute Geschichten. Im Interview spricht er über seine Anfänge, Tom of Finland und die Kunst, mit Comics die Phantasie anzuregen.
1969 begann deine Karriere als Illustrator und Comic-Zeichner. Einige Jahre später erschienen erstmals Arbeiten von dir in dem explizit schwulen Magazin HIM. Wie kam es dazu?
Nachdem ich auf das Heft aufmerksam geworden bin, habe ich erstmal meinen Mut zusammennehmen müssen, um eine Ausgabe zu kaufen. Es enthielt einen Comicstrip von jemandem, dessen Name ich vergessen habe. Der Inhalt wurde durch die amateurhafte zeichnerische Umsetzung komplett zunichte gemacht, und ich dachte, das kann ich besser. Anfang 1975 habe ich einen Comic eingereicht. Irgendwann kam eine Antwort von einem Editor von Playguy, quasi ein Schwestermagazin von HIM. Die nahmen den Comic, ich machte noch einen zweiten und fertigte ein paar Illustrationen für Storys an. So fing alles an.
Gab es strikte Regeln dafür, was du in den Strips zeigen durftest und was nicht?
Die Regel war "Keine Erektionen". Das hieß, ein Schwanz durfte nicht um mehr als 45 Grad nach oben gehen. Außerdem keine sichtbare Penetration und kein Oralverkehr. Aber das waren Grenzen, die man gut ausreizen konnte.

Hast du dich beeinflussen lassen von Tom of Finland oder anderen schwulen Illustratoren?
Ich kannte die Arbeiten von Tom of Finland, aber für meinen Geschmack waren die Körper, die er zeichnete, viel zu übertrieben. Ich legte meine Phantasie eher in die Handlung. Ich will, dass meine Zeichnungen realistisch aussehen, so dass es aussieht, als ob es tatsächlich passieren kann.
Nachdem HIM eingestellt wurde, hast du lange Zeit keine schwulen Grafiken mehr gemacht. Für das Magazin MEATMEN hast du dann wieder damit angefangen. Wie kam's dazu?
Ich habe diese erotischen Sachen über all die Jahre weitergezeichnet, für mich selbst, alles Hardcore. Irgendwann stolperte ich über MEATMEN und dachte mir, ich versuche es einfach und reiche einen Hardcore-Comicstrip ein. Das war der Bike Boy, den ich in einer Softcore-Version bereits für HIM entworfen hatte. MEATMEN veröffentlichte die Geschichte und ich habe daraufhin noch ein paar Ausgaben lang mitgewirkt. Allerdings war die Arbeit lausig bezahlt, 15 Dollar pro Seite, was sich nicht wirklich lohnte. Außerdem wollte man bei der Themenauswahl mitreden, meine Charaktere wurden als unpassend angesehen und so weiter. Es machte keinen Spaß mehr, war eher Schinderei, also bin ich wieder ausgestiegen.
Warum hast du dir für deine erotischen Arbeiten das Pseudonym Zack zugelegt. Du zeichnest auch für viele Jugendbücher und dein Stil besitzt einen hohen Wiedererkennungswert.
Zack ist mein Pseudonym für die Hardcore-Sachen. Ich wollte nicht unnötigerweise das Ansehen meines Jugendbuch-Verlages belasten. Mir ist durchaus klar, dass Anhänger meiner Arbeit sich dadurch nicht täuschen lassen.

Wie effektiv denkst du, können pornografische und erotische Comics sein, verglichen mit Foto und Film? Welche besondere Möglichkeit bieten Comics?
Manche Leute werden durch Zeichnungen einfach nicht erregt, aber für die, die nicht unbedingt echte Menschen in Aktion sehen müssen, können Comics sehr erregend sein. Es ist einfacher, gewisse erotische Fantasien auf dem Papier umzusetzen, als im Film. Ich kann meine Figuren machen lassen, was ich möchte, egal, ob das nun physisch möglich ist oder nicht. Du kannst bestimmte Stimmungen entstehen lassen und hast die volle Kontrolle.
Es gibt tolle Storys, die es nicht in Bike Boy geschafft haben. Hast du genug Material für einen zweiten Band?
Wenn Bike Boy sich gut genug verkauft, habe ich auf jeden Fall genügend unveröffentlichter Geschichten, falls der Bruno Gmünder Verlag sich für eine Fortsetzung entschließt.
(Interview übernommen mit freundlicher Genehmigung von www.paulgravett.com)

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